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ATLAS-Ausfuhr: Die 10 häufigsten Supportfälle (Teil 1)

Author Nese Öztunc Geschrieben von Nese Öztunc, am 19. Juni 2019

Eine Ausfuhranmeldung ist doch einfach zu erstellen, so der Gedanke vieler User. Der Alltag sieht jedoch oft anders aus. In unserer zweiteiligen Reihe „Die 10 häufigsten Supportfälle“ wollen wir Ihnen einen kleinen Blick hinter die Kulissen des ATLAS-Supports gewähren. Lesen, lernen und lachen Sie – hier geht’s zu den ersten 5 Fällen aus der Praxis!

Supportfälle ATLAS Ausfuhr

Fall 1: Bezugsnummer und Kennnummer der Sendung

Herr Bauer ist neu in der Zollabteilung und soll eine Ausfuhranmeldung machen. Da ihm hier noch Schulungen fehlen, mangelt es an Fachkenntnissen bei der ATLAS-Ausfuhr, was bereits bei den ersten Eingabefeldern „Bezugsnummer“ und „Kennnummer der Sendung“ deutlich wird.

„Das fängt ja schon gut an“, ärgert sich Herr Bauer.

So wie Herrn Bauer geht es vielen Ausführern/Anmeldern, und viele wissen nicht, was in die Felder eingetragen werden muss. Bei genauem Lesen der Feldbezeichnung erkennt man es aber: In beiden Feldern ist eine Nummer anzugeben, die einen eindeutigen Bezug oder eine eindeutige Kennung zur Sendung hat.

Übersetzt heißt das für Herrn Bauer, dass er am besten in beide Felder die Rechnungs- oder Lieferscheinnummer einträgt. Diese Papiere liegen i. d. R. der Sendung bei und erfüllen die Anforderungen.


Fall 2: Wahl der Beteiligtenkonstellation

Die Firma von Frau Sommer hat einen Gabelstapler nach Norwegen verkauft. Dieser wird von einer Spedition direkt zum Käufer transportiert, und deshalb macht sich Frau Sommer an die Eingabe der Ausfuhranmeldung. Bei der Beteiligtenkonstellation gerät sie allerdings ins Stocken und fragt sich: „Ist die Spedition jetzt der Subunternehmer?“

Da Frau Sommer mit dieser Frage nicht alleine ist, hier kurz zusammengefasst, welche Beteiligten es bei einer Standard-Ausfuhr gibt:

  • Ausführer ist i. d. R. derjenige, der über die Ware verfügungsberechtigt ist und der das Verbringen in ein Drittland veranlasst. Meistens liegt ein Verkauf vor.
  • Anmelder ist derjenige, der die Ware bei der Zollstelle zur Ausfuhr anmeldet. Der Ausführer kann gleichzeitig der Anmelder sein und als solcher die Ausfuhranmeldung beim Zoll einreichen.
  • Subunternehmer ist der Vorlieferant, welcher im Auftrag des Ausführers das Verbringen veranlasst. Er kann als direkter oder indirekter Vertreter des Ausführers/Anmelders die Ausfuhranmeldung beim Zoll abgeben.
  • Vertreter ist derjenige, der die direkte Vertretung des Anmelders übernimmt und für ihn die Ausfuhranmeldung beim Zoll abgibt.
  • Empfänger ist derjenige, der die Ware in Empfang nimmt – an den sie geliefert wird. Es ist möglich, dass es unterschiedliche Rechnungs- und Lieferadressen bei einem Vorgang gibt. In die Ausfuhranmeldung muss immer der Warenempfänger eingetragen werden.

Für Frau Sommer ist jetzt klar, dass ihre Firma als Verkäufer gleichzeitig der Ausführer und Anmelder ist – sie selbst meldet die Ausfuhr ohne Vertretung direkt beim Zoll an. Der norwegische Käufer ist der Warenempfänger, und die Spedition, die die Ware transportiert, ist nur ein Dienstleister und hat mit der Ausstellung der Zollpapiere nichts zu tun.

Bei der Beteiligtenkonstellation in ATLAS entscheidet sich Frau Sommer richtigerweise für: 0000 = Anmelder ist Ausführer. Anmelder lässt sich nicht direkt vertreten. Ausführer beauftragt keinen Subunternehmer.


Fall 3: ZA-Bewilligung umfasst nicht die Warennummer

Der Lkw steht zwar schon da, aber ohne die Ausfuhranmeldung für den Export der handelsüblichen Computer (Warennummer 8471 4100) nach Bosnien-Herzegowina darf die Ware nicht den Hof verlassen. Frau Wagner meldet wie immer über das vereinfachte Zollverfahren „Zugelassener Ausführer (ZA)“ die Sendung an. Prompt wird die Ausfuhranmeldung vom ATLAS-Server mit folgender Meldung abgewiesen: Die Bewilligung ZA umfasst nicht die Warenummer „8471 4100“.

„Aber die Ware muss doch schnellstmöglich zum Kunden!“, denkt sich Frau Wagner. Fieberhaft überlegt sie, welche Alternative sie hat.

Die Lösung ist ganz einfach: Sie wählt eine andere Variante der Zollanmeldung (Feld „Art der Anmeldung/Überführung“). Diese beiden Möglichkeiten hat sie:

  • Die Sendung wird als vollständige Ausfuhranmeldung im zweistufigen Normalverfahren angemeldet. Das heißt: Die Ware samt den Begleitpapieren wird beim Zoll (Ausfuhrzollstelle) vorgeführt/gestellt und der Spediteur erhält dort die Überlassung/ das Ausfuhrbegleitdokument (ABD).

oder

  • Die Sendung wird als vollständige Ausfuhranmeldung im zweistufigen Normalverfahren mit Gestellung außerhalb des Amtsplatzes angemeldet. Das heißt: Die Ware bleibt auf dem Firmengelände stehen, der Ausführer/Anmelder räumt dem Zoll ein Zeitfenster (mindestens eine Stunde) ein, in dem die Ware durch den Zoll vor Ort gesichtet werden kann, und die Überlassung folgt nach Ablauf der Gestellungsfrist. Wichtig hierbei: Die Ausfuhr muss spätestens zwei Stunden vor Dienstschluss am Tag vor Beginn des Verpackens abgegeben werden.

Frau Wagner entscheidet sich für die erste Variante und schickt den Spediteur mit der Statusmeldung des Vorgangs zum Zollamt, um dort die Güterbeschau durchführen zu lassen. Somit ist zumindest diese Exportsendung abgefertigt. Allerdings hat sie von ihrem Verkauf erfahren, dass es künftig regelmäßig Sendungen mit dieser Warennummer geben wird. Deshalb wird sie sich die ZA-Bewilligung beim Hauptzollamt schriftlich um die Warennummer erweitern lassen.


Fall 4: Zuständigkeit der Dienststelle

Herr Meier ist Exportsachbearbeiter bei einer Firma in München. Bei der anstehenden Exportsendung steht die Ware allerdings in Nürnberg. Herr Meier meldet deshalb die Ausfuhranmeldung im zweistufigen Normalverfahren mit Gestellung außerhalb des Amtsplatzes beim Zoll in Nürnberg an.

Da die Arbeit getan ist, holt er sich erst mal einen Kaffee. Anschließend prüft Herr Meier, ob die Ausfuhranmeldung zollseitig angenommen wurde, und muss feststellen, dass diese durch den ATLAS-Server abgewiesen wurde mit der Meldung: Es besteht keine Zuständigkeit der Dienststelle (Ausfuhrzollstelle) für die Ausfuhranmeldung und ein Vermerk zur Ausnahme wurde nicht eingetragen.

„Was ist denn jetzt passiert?“, denkt sich Herr Meier. Als Mitarbeiter der Exportabteilung muss ihm bekannt sein, dass jedes Unternehmen durch die EORI-Nummer und die Postleitzahl einem bestimmten Zollamt zugeteilt und ausschließlich dieses zuständig ist. Deshalb kann eine Firma aus München nicht bei irgendeiner Ausfuhrzollstelle in Deutschland anmelden.

Damit Herr Meier doch noch zu seiner Gestellung in Nürnberg kommt, muss er Folgendes tun: Er ruft beim Zollamt in München an und sagt, dass die Ware der Sendung in Nürnberg steht und er dort gestellen möchte. Im Normalfall bekommt er die Genehmigung des Zolls und trägt in der Ausfuhranmeldung einen Vermerk über die Genehmigung ein.


Fall 5: Ausgangszollstelle und die Rolle EXT

Frau Schubert hat eine Sendung im „ZA-Verfahren“ für die Schweiz angemeldet. Bei der Ausfuhrzollstelle trägt sie ihr gewohntes Augsburger Zollamt (DE007401) ein. Bei der vorgesehenen Ausgangszollstelle trägt sie das Zollamt Friedrichshafen (DE009402) in die Ausfuhranmeldung ein – „Liegt ja am Bodensee“, denkt sie und erinnert sich an ihren dortigen schönen Sommerurlaub.

Allerdings wird sie durch die Plausibilitätsprüfung von ATLAS unsanft aus ihren Träumen gerissen, denn die Ausfuhranmeldung wird abgewiesen mit dem Vermerk: Für zweistufige Verfahren muss vorgesehene Ausgangszollstelle „DE009402“ die Rolle „EXT“ haben.

„Die Rolle EXT …“, grübelt Frau Schubert, „was heißt das?“. Sie kramt in ihren alten Seminarunterlagen und findet eine Information dazu, dass es die unterschiedlichsten Arten von Zollstellen gibt und jede ein bestimmtes Merkmal/eine bestimmte Rolle trägt.

Bei der Ausfuhranmeldung sind es tatsächlich nur zwei Arten von Zollstellen, die infrage kommen:

  • die Ausfuhrzollstelle (Rolle EXP) – ein Binnenzollamt in Deutschland (hier hin fährt man z. B. zum Abstempeln der Warenverkehrsbescheinigung EUR.1)
  • die Ausgangszollstelle (Rolle EXT) – ein Zollamt der EU, an dem die Ware die EU verlässt (z. B. das Zollamt Weil am Rhein/Grenzübergang Deutschland – Schweiz oder das Zollamt am Flughafen Frankfurt a. M./Grenzübergang bei Luftfrachtsendungen)

„Doch woher bekomme ich die Nummer der Ausgangszollstelle?“, fragt sich Frau Schubert. Nach einem erneuten Blick in die Unterlagen findet sie zwei Hinweise:

  1. Halten Sie Rücksprache mit Ihrem Spediteur, welcher Grenzübergang angefahren wird.
  2. Suchen Sie in der internationalen Datenbank der EU nach der Zolldienststelle mit ihrer jeweiligen Rolle. Diese Datenbank ruft Frau Schubert unter diesem Link auf.

Anschließend sucht sie per „Land“ mit den Angaben „Deutschland“, „Baden-Württemberg“, „Friedrichshafen“, „Binnenschiff“ (der Lkw überquert per Fähre den Bodensee) und hakt ausschließlich die Rolle „EXT – Ausgangszollstelle“ an.

Die Datenbank zeigt ihr nun das Zollamt „Abfertigungsstelle Friedrichshafen-Fähre“ mit der Referenznummer „DE009420“ als Treffer an. Diese Nummer trägt sie in ihre Ausfuhranmeldung ein und erhält dadurch die Überlassung.

Seien Sie gespannt, wie es im September mit den nächsten 5 Fällen weiter geht.


Dieser Artikel wurde uns bereitgestellt von Daniela Staudinger-Weis, Produktmanagerin ATLAS-Software und Sanktionslistenprüfung bei der Forum Verlag Herkert GmbH.

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