Wie ermittle ich den Zollwert?

Zollwert

Allgemeine Informationen zum Zollwert

Bei der Anmeldung von Waren für den zollrechtlich freien Verkehr (Import aus Drittland in die EU) werden grundsätzlich Angaben über den Zollwert benötigt. Das Verfahren zum Ermitteln dieses Zollwertes ist sehr komplex und stellt einen beträchtlichen Risikobereich für Importeure dar. Dies bildet die Basis für die Bestimmungen für Zollangaben, die bei Einfuhrgeschäften fällig werden. Die Zollverwaltung kann die Zollbescheide bis zu drei Jahre rückwirkend auf ihre Korrektheit anfechten und nachträglich zu zahlende Zölle, Steuern und Verzugszinsen anzufordern. Allerdings werden rechtlich zulässige Ausschöpfungsmöglichkeiten für Abgabenersparnisse bei der Zollwertermittlung oft nicht in Anspruch genommen.

Damit der Zollwert ordnungsgemäß bestimmt werden kann, müssen einige Kriterien und Umstände beachtet werden. Da diese häufig nicht unbedingt gefestigt in den Zollabteilungen eines Unternehmens sind, sollten innerbetriebliche Prozesse so strukturiert werden, dass alle für den Zollwert relevanten Aspekte an die zuständige Zollabteilung gemeldet werden. Dies gilt auch für bereits geschehene Verzollungen. Unter die relevanten Aspekte fallen Angaben aus den unterschiedlichen Bereichen eines Unternehmens, wie z. B. Einkauf, Forschung, Entwicklung oder Vertrieb.

 

Rechtliche Grundlagen

Die Rechtsgrundlagen zur Ermittlung des Zollwerts findet man in den folgenden Artikeln:

  • Artikel 69 bis 76 des Unionszollkodex
  • Artikel 71 der Delegierten Rechtsakte zum Unionszollkodex
  • Artikel 127 bis 146 und Anhänge 23-01 bis 23-02 der Durchführungsverordnung zum Unionszollkodex
  • Artikel 6 der Delegierten Übergangsrechtsakte zum Unionszollkodex

Neben EU-Rechtsvorschriften muss eine nationale Verwaltungsvorschrift der deutschen Zollverwaltung beachtet werden.

 

Zollwertregelung in der Europäischen Union

Die EU hat die Regelungen über den Zollwert des GATT und GATT-Zollwert-Kodex (General Agreement on Tariffs and Trade) in die zollwertrechtlichen Vorschriften des Unionszollkodex (UZK) übernommen. Die zollwertrechtlichen Vorschriften werden unmittelbar bei der Einfuhr aus Drittländern in die EU angewendet. Demnach gilt grundsätzlich der Transaktionswert (gegebenenfalls berichtigt) als Zollwert der eingeführten Waren. Können Voraussetzungen für dieses Vorgehen nicht erfüllt werden, muss der Zollwert nach einer anderen Methode ermittelt werden. Dabei ist eine vorgeschriebene Reihenfolge der nachrangigen Methoden einzuhalten.

 

Zollwertermittlung

Im Zentrum der Zollwertermittlung steht die Frage: „Was ist bei einem Verkauf in die EU der für die Ware tatsächlich gezahlte oder zu zahlende Preis?“.

Es gibt sechs verschiedene Methoden, die möglichst alle denkbaren Fälle des internationalen Warenverkehrs zollwertrechtlich abdecken. Die sechs Methoden sind der Reihe nach zu prüfen, wenn die Erste nicht durchgeführt werden kann, wird die Nächste geprüft und so weiter. Dieses Stufenverfahren wird als „Zollwerttreppe“ bezeichnet und wird in der nachfolgenden Abbildung dargestellt.

Pauline Wörner

Pauline Wörner

Seit Oktober 2020 bin ich Werkstudentin bei der BEX und unterstütze hauptsächlich das Marketing- und Vertriebsteam. Ich studiere Technical Content Creation (Technische Redaktion) an der Hochschule Aalen.