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Die Freihandelsabkommen, die da kommen…

Author Stefan Kluge Geschrieben von Stefan Kluge, am 27. Juni 2018

Übersicht Handelsabkommen

Während handelspolitische Meldungen sich in der Vergangenheit meist auf den Wirtschaftssparten der Medien ein tristes Dasein fristeten, avancieren sie nun auch zu echten „Headliner“ des Tagesgeschehens. Dies äußert sich zwar nicht immer auf positive Weise, denn oft ist die Rede von „Handelskriegen“ und „Strafzöllen“. Doch auch die enorme wirtschaftliche Bedeutung von Handelsabkommen findet immer mehr Beachtung. Zu groß sind auch die damit verbundenen Chancen den weltweiten Markt neuzugestalten als um vor oft unbegründeten Vorbehalten gegen den freien Handel zurückzuschrecken. Während die USA derzeit zu protektionistischen Zügen neigt, verfolgt die EU ihre Strategie der präferenziellen Handelsabkommen unbeirrt.

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Handelsstrategie der EU

Derzeit strebt die EU über 12 neue Freihandelsabkommen (Foreign Trade Agreements, kurz FTAs) an. Unter anderem mit Japan, verschiedenen ASEAN-Staaten, Mexiko oder auch mit den Mercosur-Staaten. Kommissionspräsident Juncker hat angekündigt, alle aktuellen FTA-Verhandlungen noch während seinem Mandat bis 2019 unter Dach und Fach bringen zu wollen. Neben der multilateralen Handelsliberalisierung unter der Welthandelsorganisation (WTO) sind präferenzielle Handelsabkommen ein zentraler Baustein in der Handelsstrategie der EU.

Detaillierte Informationen über Freihandelsabkommen finden Sie unter:

Im Folgenden geben wir vor allem eine Übersicht über den aktuellen Status der wichtigsten Abkommen für den deutschen und europäischen Markt.

Wichtigste Freihandelsabkommen für den EU-Raum

Australien

Ziel der Verhandlungen ist es, Hemmnisse für den Waren- und Dienstleistungsverkehr zu beseitigen, neue Chancen für große und kleine Unternehmen zu schaffen und ambitionierte Regeln aufzustellen, die im Einklang mit anderen Handelsabkommen der EU stehen, um somit zur Gestaltung des Welthandels beizutragen.
Australien gehört zu den am schnellsten wachsenden Industrieländern und hat vor Kurzem mit zehn weiteren Ländern in der Pazifikregion die Umfassende und Fortschrittliche Transpazifische Partnerschaft (CPTPP) abgeschlossen. Das künftige Abkommen zwischen der EU und Australien schafft für europäische Unternehmen die gleichen Bedingungen wie für die Unternehmen aus den Ländern, mit denen Australien bereits Handelsabkommen geschlossen hat.

Juni 2018:
EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström sowie Australiens Premierminister Malcolm Turnbull und Handelsminister Steven Ciobo haben am 18.06.2018 Verhandlungen über ein umfassendes und ehrgeiziges Handelsabkommen zwischen der EU und Australien aufgenommen. Quelle: https://ec.europa.eu/germany/news/20180618-handel-eu-und-australien_de


CETA – Kanada

Das umfassende Wirtschafts- und Handelsabkommen CETA ist ein internationales Handelsabkommen zwischen der EU und Kanada.
Durch die Ankurbelung des gegenseitigen Handels wird das CETA Arbeitsplätze und Wachstum schaffen – und neue Chancen für Ihr Unternehmen. Kanada ist ein großer Markt für Europas Exporte und verfügt über große Mengen an natürlichen Ressourcen, die Europa braucht.
Außerdem ist das CETA fortschrittlich. Es geht über einen Abbau der Zölle hinaus, indem es den Menschen und der Umwelt uneingeschränkt Rechnung trägt. Auf diese Weise wird es einen weltweiten Standard für künftige Handelsabkommen setzen.
Nähere Informationen unter:

Die nationalen – in einigen Fällen auch die regionalen – Parlamente in den EU-Ländern müssen CETA noch zustimmen, damit es uneingeschränkt gültig wird.
14.06.2018 Jüngst hat die italienische Regierung jedoch verkündet CETA nicht ratifizieren zu wollen.

Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/international/ceta-italien-sperrt-sich-gegen-eu-handelsabkommen-mit-kanada/22685374.html?nlayer=Politik-News_11247984&ticket=ST-4568825-crhd5160OpyEepHiwN7I-ap3


JEFTA – Japan

Sollte die größte Freihandelszone der Erde 2019 an den Start gehen, würde dies zahlreichen produzierenden EU-Industrien wie dem Automobilsektor, der Chemie- und Pharmabranche, dem Maschinenbau, der Konsumgüterindustrie sowie der Lebensmittel- und der Baubranche den Zugang zum Markt in Fernost wesentlich erleichtern. Mit 127 Millionen Einwohnern und einem BIP von etwa 4,6 Bill EUR ist Japan die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.

17. Juli 2018:
Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Ratspräsident Donald Tusk und der japanische Premierminster Shinzo Abe haben das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (WPA) zwischen der EU und Japan unterzeichnet. Als Nächstes steht die Ratifizierung des Abkommens durch das Europäische Parlament und das japanische Parlament an. 2019 könnte das Vertragswerk dann in Kraft treten. Quelle: http://europa.eu/rapid/press-release_IP-18-4526_de.htm

Juni 2018:
Die Verhandlungen sind abgeschlossen. Nun könnte das Abkommen 2019 bereits in Kraft treten. Quelle: https://www.welt.de/wirtschaft/bilanz/article173514595/Freihandelsabkommen-Jefta-Der-Wegfall-der-Handelsgrenzen-ist-ein-guter-Zeitpunkt.html


Mercosur

Das „Mercosur-Staaten-Abkommen“ würde vor allem europäischen Automobil-, Chemie- und Maschinenbaufirmen Vorteile im internationalen Wettbewerb verschaffen.

Die Verhandlungen sollen bis Ende 2018 abgeschlossen sein. Bislang sind die südamerikanischen Märkte relativ geschlossen und weisen hohe Eintrittsbarrieren auf. Mit dem geplanten Abkommen würde sich den hiesigen Exporteuren ein Markt mit einem Gesamtvolumen von derzeit 2,6 Bill EUR weiter öffnen.


Mexiko

Im Jahr 2000 traf die EU eine Vereinbarung mit Mexiko, die hauptsächlich Geschäfte mit industriellen Gütern umfasst. Diese wird jetzt unter anderem um Agrar- und Lebensmittelprodukte, Dienstleistungen sowie staatliche Aufträge erweitert. Für die neuen Verträge sind zudem weitere Arbeitsrechts- und Umweltstandards geplant. Für europäische Automobilfirmen würde es dadurch attraktiver, in mexikanische Produktionsstätten zu investieren. Auch im Energie- und im Bausektor würden sich für europäische Unternehmen Chancen ergeben.


Singapur

Beim Freihandelsabkommen mit dem Inselstaat geht es um die Erweiterung der Geschäftsmöglichkeiten der Partner in den Branchen Finanzen, Dienstleistungen, Transport und Telekommunikation.

Status: Die Verhandlungen sind abgeschlossen. Derzeit stehen nur noch die Ratifizierungen aus.


Vietnam

2016 schloss die EU die Verhandlungen mit Vietnam über den weitreichenden Abbau von Handelsbarrieren erfolgreich ab. In Sommer ist die Vorlage des Entwurfs in EU-Rat und EU-Parlament geplant. Das Abkommen erleichtert vor allem der chemischen und pharmazeutischen Industrie, den Herstellern von Konsumgütern, Lebensmittelanbietern sowie Maschinenbaufirmen den Marktzugang. Derzeit importiert der südostasiatische Staat jährlich Waren im Wert von 9,6 Mrd EUR aus der EU.

Die Verhandlungen sind abgeschlossen. Derzeit stehen nur noch die Ratifizierungen aus. Quelle:https://www.exportmanager-online.de/nachrichten/liefern/eu-handelsabkommen-oeffnen-exportmaerkte-6171/

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