KYC – Know Your Customer – Wie gut kennen Sie Ihren Kunden?

Warum “Know Your Customer” für exportierende Unternehmen so wichtig ist

KYC

KYC ist die Abkürzung für „Know your Customer“. Dahinter verbirgt sich die Notwendigkeit oder der Wunsch, mehr über seinen Kunden oder Lieferanten zu wissen. Denn wie vielen Export- bzw. Versandmitarbeiter bekannt, ist es im Ausfuhrprozess nicht immer von Vorteil dieses Wissen zu haben. Allein die Kenntnis über den tatsächlichen Endempfänger oder eines dubiosen Zwischenhändlers kann zu zoll- und strafrechtlichen Konsequenzen führen.

Um dem „Nicht-Wissen-Wollen“ zuvor zu kommen, werden immer mehr weltweite Sanktionen und Verfahren so angelegt, dass die Unternehmen dazu verpflichtet werden zu prüfen, wer an dem Unternehmen des Handelspartners beteiligt ist und ob dieser vielleicht auf einer der entsprechenden Listen geführt wird.

Ein Beispiel dafür sind die Iran-Einträge auf der amerikanischen Specially Designated National List (SDN-Liste). Verboten ist hier nicht nur die direkte Belieferung oder Bezahlung an gelistete Adressen, sondern auch an nicht gelistete Unternehmen, wenn diese zu mehr als 50% im Eigentum oder unter Kontrolle einer gelisteten Person oder Unternehmens sind.

Das hat zur Folge, dass man nicht nur auf die SDN-Liste prüfen darf, sondern die Adresssuche auf alle Unternehmen erweitern muss, welche einen entsprechenden Eigentums- oder Kontrollanteil einer gelisteten Adresse aufweist. Ab dem 5. November 2018 tritt die zweite Runde der amerikanischen Iran-Sanktionen in Kraft, welche dann auch die SDN-Liste beinhaltet.

Maschinell auswertbare Listen mit Beteiligungen stehen für den weltweiten Handel nicht kostenlos zur Verfügung. Eine günstige aber nicht immer praktikable Möglichkeit ist bei jedem Geschäft den Vertragspartner dazu zu verpflichten, dass er die aktuellen Beteiligungsverhältnisse nachweisen muss. Das wird wohl nur bei Lieferanten funktionieren. Alternativ dazu leisten sich, meist nur große Unternehmen, die relativ teuren Datendienste von beispielsweise Dow Jones mit dem SOR-Paket (Sanctioned Ownership Relations), das in zwei Listen die Unternehmensbeteiligungen über 50% und über 10% enthält. Eine weitere Alternative bietet das Bureau van Dijk mit der orbis-Datenbank, welche ebenfalls die geforderte Beneficial-Owner-Ermittlung (über 50%-Anteil) bietet. Aber in beiden Fällen müssen die auf diesem Weg ermittelten Adressen noch gegen die SDN-Liste geprüft werden.

Tatsächlich ist der KYC-Begriff aber nicht nur durch die Sanktionsvorschriften entstanden. Im Finanzbereich und bei den Banken ist diese Beschreibung schon früher zur Anwendung gekommen. Bei der Prüfung von Kreditausfallrisiken oder bei der Prüfung von Übernahmen/Beteiligungen über eventuelle Strohmänner werden die vorhandenen Beteiligungsverhältnisse ebenfalls sehr genau betrachtet.
Der Gesetzgeber will zudem kriminelle Geschäfte und Geldwäsche dadurch unterbinden, dass es den Kreditinstituten vorschreibt, die am Unternehmen beteiligten Personen ebenfalls gegen die Sanktionslisten und den nur kostenpflichtig erhältlichen PEP-Listen (politisch exponierte Personen) zu prüfen.

Dieser Beitrag soll nur einen ersten kurzen Einblick bieten. Wenn einer der folgenden Punkte auf Ihr Unternehmen zutrifft, sollten Sie sich Gedanken über eine geeignete Software zur Überprüfung Ihrer Geschäftspartner machen.

Checkliste – Brauche ich eine KYC-Lösung?

  • Liefere ich Ware mit einem US-Anteil über 10% an andere Unternehmen?
    (US Patriot Act, Bank Secrecy Act)
  • Sind Sie Anbieter von Glückspieldiensten?
  • Nehmen Sie Barzahlungen von 10.000 EUR oder mehr an?
  • Nehmen Sie gelegentliche Transaktionen mit Geldtransfers (einschließlich Finanztransfers) von über 1.000 EUR vor? (Neu: mit der 4. Version des Geldwäschegesetzes am 9. Juli 2018 in Kraft getreten. Für uns allerdings kaum vorstellbar, dass dies flächendeckend befolgt wird.)

In all den oben genannten Fällen müssen Sie bei Geschäften mit natürlichen und juristischen Personen und ihren wirtschaftlich Berechtigten (Beneficial Owner) während der Kundenannahme Informationen sammeln und revisionssicher eine protokollierte Sanktionslistenprüfung aller wirtschaftlich Beteiligten durchführen.

Wenn Sie davon betroffen sind, kommen Sie gerne auf uns zu, damit wir die passende, automatisierte Lösung für Sie anbieten können.

Geschrieben von <a href="https://www.bex.ag/blog/author/dominik/" target="_self">Dominik Wild</a>

Geschrieben von Dominik Wild

Das Arbeitsleben möglichst vielen Menschen auf dieser Welt zu erleichtern ist mein Antrieb und meine große Leidenschaft, die mich dazu gebracht hat 2006 die BEX zusammen mit meinen Mitstreitern zu gründen. Dafür steht die BEX und dafür setze ich mich als Vorstand der BEX täglich für unsere Kunden und Partner ein.

Weitere Beiträge

Was bedeutet AEO (Authorized Economic Operator)

Was bedeutet AEO (Authorized Economic Operator)

Zugelassener Wirtschaftsbeteiligter (AEO) Der Zugelassene Wirtschaftsbeteiligte (AEO = Authorized Economic Operator) ist ein wesentlicher Teil des modernen EU-Sicherheitskonzepts. Dieses entstand aus dem „Framework of Standard to Secure and Facilitate Global Trade“...

mehr lesen
Brexit und Zoll

Brexit und Zoll

Auswirkungen des Brexits Seit dem 1. Februar 2020 ist das Vereinigte Königreich kein Mitglied der Europäischen Union mehr. Allerdings bleibt es bis zum 31. Dezember 2020 noch Teil des EU-Binnenmarkts und der EU-Zollunion. Bisher ist es unklar, ob es zu einem...

mehr lesen
BREXIT-Zusammenfassung

BREXIT-Zusammenfassung

[UPDATE 16.10.2020 geschrieben von Nese Öztunc] Über 4 Jahre Brexit-Verhandlungen: Keine finale Einigung in Sicht Bereits viereinhalb Jahre sind vergangen, seitdem sich Großbritannien beschlossen hat die EU zu verlassen. Seit dem 01. Februar 2020 ist das Vereinigte...

mehr lesen