Brexit in Irland

Brexit Irland

Brexit in Irland: Wie sich der Brexit auf Irland auswirkt

Das Ende der Brexit-Übergangsphase bringt für den Handel und Grenzverkehr riesige Umstellungen und hat nirgends so gravierende Auswirkungen wie in Irland. Immerhin scheint ein Wiederaufflammen des Nordirlandkonflikts vom Tisch zu sein und zumindest blieb ein „No-Deal“-Szenario aus. In der letzten Minute wurde eine Vereinbarung über die zukünftigen britisch-europäischen Beziehungen in einem Nordirland-Protokoll festgelegt.

 

Brexit in Nordirland

Das Nordirland-Protokoll verschiebt die Zollgrenze in die Irische See, sodass Zollkontrollen nur zwischen Nordirland und anderen Landesteilen des Vereinigten Königreichs notwendig werden. Dadurch wird eine harte Grenze zur Republik Irland vermieden und Personen und Waren können kontrollfrei die Grenze passieren. Dies ist vorteilhaft aus irischer Sicht, da viele in Irland produzierte Waren von Nordirland aus verschifft werden. Für Nordirland sind damit ebenfalls die schlimmsten Befürchtungen abgewendet. Ein „No-Deal“-Szenario hätte verheerende Auswirkungen für die Lebensmittelversorgung bedeutet.

 

Wird die „Landbrücke“ gekappt?

Die schnellste Verbindung zwischen Irland und dem Rest der EU führt quer durch Großbritanniens Süden und beträgt 20 Stunden Fahrzeit, nur zwei Fährfahrten sind nötig. Die Verbindung befindet sich zwischen dem irischen Rosslare und dem französischen Dünkirchen. Diese sogenannte „Landbrücke“ wird laut einer Studie des Irischen Seefahrtentwicklungsprogramm (IMDO) jährlich von etwa 150.000 Lastwagen genutzt. Wegen der Covid-19-Pandemie werden derzeit allerdings vergleichsweise weniger Waren verschifft.

 

Damit die „Landbrücke“ auch in Zukunft weiter genutzt werden kann, greift künftig die Vereinbarung, nach welcher die Waren bei der Überführung nicht die komplette Zollprozedur durchlaufen müssen. Logistiker könnten sich eventuell gezwungen sehen, von der Landbrücke auf eine längere und teurere Direktverbindung zwischen Irland und Kontinentaleuropa ausweichen zu müssen.

 

Mehrkosten des Brexits

Viele Unternehmen sind wegen der Pandemie in Kurzarbeit und haben dadurch kaum Personal oder Logistikmethoden, um sich auf die Umstellungen einzustellen. Die Kosten wären noch mehr gestiegen, wenn ab dem Jahreswechsel Zölle für den Import angefallen wären. Bei einem „No-Deal-Szenario wären beide Seiten auf Richtlinien der Welthandelsorganisation (WTO) zurückgefallen. Ein harter Brexit hätte die Lebenserhaltungskosten um zwei bis drei Prozent erhöht, dies wären pro Jahr rund 900 bis 1.350 Euro Mehrkosten für einen durchschnittlichen Haushalt. Zum Glück entfallen diese zusätzlichen Belastungen zur Corona-Wirtschaftskrise nun.

 

Irland pro-europäisch eingestellt

Der Handelsvertrag zwischen der EU und Großbritannien bringt Vorteile für irische Kerninteressen, wie zum Beispiel:

  • die Bewahrung eines gemeinsamen Wirtschaftsraums für ganz Irland ohne sichtbare Grenze
  • die Erhaltung der Personenfreizügigkeit zwischen Königreich und Irland
  • die Absicherung von Irlands Platz im Herzen der EU

Die seit vielen Jahrzehnten geteilte Insel wird jetzt wieder näher zusammenrücken. Während des gesamten Entscheidungsprozesses hat die Republik Irland versucht, die Interessen Nordirlands im Blick zu behalten. Irland wird zum Beispiel in Zukunft die Kosten für die Beteiligung nordirischer Studenten am europäischen Austauschprogramm Erasmus übernehmen, wobei britische Studenten davon vorläufig ausgeschlossen bleiben.

 

Joe Biden – die neue Hoffnung

Aus irischer Sicht verbessert sich die Lage mit Joe Biden als neuer amerikanischer Präsident. Als Demokrat mit irischen Wurzeln hat er sich für einen Brexit-Deal mit einer offenen Grenze auf der Insel stark gemacht. Irland ist bereits seit Jahren der Europa-Standort von US-amerikanischen Firmen wie Google oder Amazon, wegen der vorteilhaften Steuerpolitik für ausländische Konzerne. Dazu kommt nun ein weiterer Standortvorteil, da Irland mit dem Brexit nun der einzige englischsprachige EU-Mitgliedsstaat bleibt, was weitere US-amerikanische Investitionen in Irland als Sprungbrett in die EU begünstigen könnte.

Pauline Wörner

Pauline Wörner

Seit Oktober 2020 bin ich Werkstudentin bei der BEX und unterstütze hauptsächlich das Marketing- und Vertriebsteam. Ich studiere Technical Content Creation (Technische Redaktion) an der Hochschule Aalen.