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ATLAS-Ausfuhr: Die 10 häufigsten Supportfälle (Teil 2)

Author Nese Öztunc Geschrieben von Nese Öztunc, am 20. September 2019

In unserer zweiteiligen Reihe „Die 10 häufigsten Supportfälle“ wollen wir Ihnen einen kleinen Blick hinter die Kulissen des ATLAS-Supports gewähren. Lesen, lernen und lachen Sie weiter mit dem zweiten Teil der Praxisfälle!

Supportfälle ATLAS Ausfuhr

Fall 6: Warenbeschreibung unvollständig

Der Autoverkäufer Peter Müller hat einen gebrauchten Kleinwagen nach Weißrussland verkauft. Er meldet den Pkw bei seiner Ausfuhranmeldung mit der von der Software hinterlegten Warenbeschreibung an und wartet auf die Überlassung. Die Warenbeschreibung lautet: „Pkws, Kombis, Rennwagen und Wohnmobile, hauptsächl. zur Personenbeförderung, ausschließlich mit Kolbenverbrennungsmotor mit Selbstzündung, mit einem Hubraum von mehr als 1500 cm3 bis 2500 cm3, gebraucht.“

Nach einer kurzen Wartezeit aktualisiert Herr Müller seinen Vorgang und stellt fest, dass er abgelehnt wurde. Er greift zum Hörer und telefoniert mit seinem Zollamt. Der Zollbeamte klärt ihn darüber auf, dass die Ware etwas näher beschrieben sein muss.

„Soll ich jetzt ergänzen, dass der Pkw vier Räder und ein Lenkrad hat?“, denkt er sich verärgert. Diese Info braucht der Zoll natürlich nicht, aber anhand der eingetragenen Warenbeschreibung muss der Zollbeamte auf die Warennummer des gebrauchten Pkw von Herrn Müller kommen.

In diesem Fall hilft es z. B., die Fahrzeugmarke und -farbe, den genauen Hubraum und die Fahrgestellnummer einzutragen (das Fahrzeug ist nun eindeutig identifizierbar). Damit steht dem Erhalt des Ausfuhrbegleitdokuments nichts mehr im Weg.


Fall 7: Falscher Wert beim Statistischen Warenwert

Herr Schmid hat bei seinem Export einen Warenwert von 6.500 Euro und trägt diesen beim „Rechnungspreis“ und in das Feld „Außenhandelsstatistik Wert“ ein. Bei den Lieferbedingungen wurde mit dem Käufer die Incoterms-Klausel „FCA“ vereinbart.

Die Ausfuhranmeldung ist abgeschickt, und Herr Schmid packt seine Sachen für den wohlverdienten Feierabend. Ein letzter Blick in die ATLAS-Software und er sieht unerwartet die seitens des Zolls abgelehnte Ausfuhranmeldung mit der Begründung: Statistischer Warenwert zu niedrig.

„Den Anpfiff des Fußballspiels kann ich jetzt vergessen!“, denkt sich Herr Schmid genervt.

Hier ist klar seine Wissenslücke beim Thema Incoterms zu erkennen. Denn dort ist genau geregelt, wer wann welche Kosten beim Export trägt. Bei der Klausel FCA liegt die Ausfuhrabfertigung beim Verkäufer.

Beispiel-Berechnung des Statistischen Warenwerts mit der Klausel FCA:

Warenwert 6.500,00 Euro
+ Versandkosten 200,00 Euro
+ Versicherungskosten 100,00 Euro
+ sonstige Kosten (z. B. Umladekosten) 50,00 Euro
= Statistischer Warenwert 6850,00 Euro

Damit ist der höhere Statistische Warenwert schnell berechnet – das Ausfuhrbegleitdokument und auch der Fußballabend sind unter Dach und Fach.


Fall 8: Falsche Anzahl bei den Packstückangaben

Ein sowieso schon hektischer Tag bei Frau Huber in der Versandabteilung und dann auch noch das: Eine Sendung, verpackt auf einer Palette, aber bestehend aus drei verschiedenen Waren, muss nach Algerien. „Bei den bisherigen Exporten war jede Ware separat auf einer Palette verpackt. Aber wie gebe ich diese Mischsendung denn jetzt an?“, fragt sie sich.

Zugegeben, ein bisschen verzwickt ist der Fall schon, aber mit dem folgenden Muster verschwinden dann auch die Sorgenfalten bei Frau Huber.

Die drei verschiedenen Waren werden jeweils einzeln bei der Ausfuhranmeldung angelegt. Bei den Feldern „Rohmasse“ und „Packstückangaben“ ist allerdings Folgendes zu beachten:

  1. Warennummer
    Rohmasse: Hier wird die gesamte Rohmasse der 3 Warenpositionen eingetragen.
    Packstückangaben: Anzahl: 1; Art: PX; Zeichen/Nummern: LS1234; Hauptpack: Feld bleibt leer
  1. Warennummer
    Rohmasse: 0
    Packstückangaben: Anzahl: 0; Art: PX; Zeichen/Nummern: LS1234; Hauptpack: 1
  1. Warennummer
    Rohmasse: 0
    Packstückangaben: Anzahl: 0; Art: PX; Zeichen/Nummern: LS1234; Hauptpack: 1

Noch 2 Tipps am Rande:

  1. Zum Feld „Zeichen/Nummern“ ist anzumerken: Bei allen Warennummern muss dasselbe stehen (Groß- und Kleinschreibung, Leerzeichen etc. beachten) und die Nummer einen Bezug zur Sendung haben – siehe Fall 1.
  2. Die Rohmasse ist das Bruttogewicht, also die Ware inkl. der Verpackung. Die Eigenmasse ist das Nettogewicht, sprich nur das reine Gewicht der Ware.

Fall 9: Fehlende Genehmigungscodierungen

Herr Schusselig verschickt seit Jahren die gleiche Ausfuhranmeldung mit der Warennummer „8538 9091“ an seinen Kunden in der Schweiz. Das ging bis jetzt auch immer gut. Aber heute hat der Zoll bei der elektronischen Sichtung seiner Ausfuhr bemerkt, dass Herr Schusselig seinem Namen alle Ehre macht und die Warennummer in Kombination mit dem Land nicht gegen die Maßnahmen im Elektronischen Zolltarif (EZT) abgeglichen hat. Die Ausfuhranmeldung wird deswegen zollseitig abgelehnt.

„Muss ich mich jetzt ernsthaft mit dem Thema Exportkontrolle rumschlagen?!“, denkt sich Herr Schusselig. An dieser Stelle muss man kurz und knapp sagen: Ja! Vor jeder Ausfuhranmeldung muss der Ausführer/Anmelder prüfen, welche Codierungen aus dem EZT angegeben werden müssen. Zu tun ist für ihn nun Folgendes:

  • Er ruft die Internetseite des Zolls auf und folgt diesem Pfad: www.zoll.de > Service > Online-Fachanwendungen > Elektronischer Zolltarif
  • Es öffnet sich das Dialogfenster mit der Auskunftsanwendung „EZT-Online“.
  • Hier geht es für ihn weiter mit dem Button „zur Ausfuhr“.
  • Bei Warennummer gibt er die „8538 9091“ ein, im Feld Geografisches Gebiet dann „CH“ für Schweiz und startet die Suche.
  • Auf der folgenden Seite erscheinen im unteren Teil die zu kontrollierenden Ausfuhrhinweise. Die „Fußnoten“ sind besonders zu beachten. Dort steht, dass die Ausfuhr genehmigungspflichtig ist, wenn die Güter unter Teil I Abschnitt A Nr. 0005 der Ausfuhrliste fallen.
  • Um zur Fundstelle in der „Ausfuhrliste“ zu kommen, klickt er auf „Rechtsnormen“.

Hier muss er überprüfen, ob in Teil I Abschnitt A Nr. 0005 seine Ware aufgelistet ist. Da das nicht der Fall ist, trägt er in die Ausfuhranmeldung die Codierung „3LNA/81“ ein.

Herr Schusselig wird diesen Rat auch in Zukunft befolgen und prüft ab sofort, selbst wenn es noch so zeitaufwendig ist, alle Exportsendungen. Denn der Zoll weiß aufgrund der firmenbezogenen Risikokontrolle, wenn ein Unternehmen regelmäßig gegen die Exportkontrollregeln verstößt, und das kann auf Dauer negative Folgen für die Firma haben, z. B. durch die Aussetzung von Zollvereinfachungen wie den „ZA-Status“.


Fall 10: Status Wiedervorlage

Für Frau Albrecht ist die Ausfuhr mit der Überlassung und dem damit einhergehenden Ausfuhrbegleitdokument (ABD) abgeschlossen. Das sieht ihre Buchhaltung allerdings anders. Diese benötigt zu jedem Ausfuhrvorgang den dazugehörigen Ausgangsvermerk (AGV), da diese bei endgültigen Ausfuhren die Umsatzsteuerfreiheit nachweist.

Bisher ist der AGV i. d. R. automatisch in die ATLAS-Software von Frau Albrecht eingespielt worden, wenn die Ware an der Ausfuhrzollstelle durch den Zoll kontrolliert wurde. Aber jetzt trägt ein Vorgang, ohne vereinfachtes Verfahren angemeldet, nicht den Vermerk „Erledigt“, sondern „Wiedervorlage“.

„Auf Wiedervorlage habe ich so einiges in meiner Mappe für die täglichen Aufgaben“, denkt Frau Albrecht, „aber nichts was mit alten Ausfuhrvorgängen zu tun hat!“

Das ändert sich für sie mit diesem Zollstatus schlagartig. Ihre Aufgabe ist es nun, einen zollrechtlich anerkannten Nachweis zu organisieren, der beweist, dass die Ware beim Empfänger angekommen ist. Dieser Nachweis kann beispielsweise ein CMR-Frachtbrief sein, unterschrieben vom Empfänger in Feld 24, oder das Tracking-and-Tracing-Protokoll, ebenfalls mit Unterschrift des Empfängers.

Frau Albrecht besorgt sich bei ihrer Spedition den CMR-Frachtbrief. Dann trägt sie in ihrer ATLAS-Software im Reiter „Nachverfolgung“ des Vorgangs die notwendigen Daten ein, schickt diese an den Zoll und übersendet dorthin eine Kopie des CMR-Frachtbriefs.

Erkennt der Zoll diesen Nachweis an, so erhält sie einen Alternativen-Ausgangsvermerk (Alternativ-AGV). Der Ausfuhrvorgang ist jetzt vollständig abgeschlossen und trägt den Status „Erledigt“. Damit ist Frau Albrecht ihrer Pflicht als Ausführer/Anmelder nachgekommen, und auch ihre Buchhaltung ist zufrieden.

Grundsätzlich gilt sowohl für Frau Albrecht als auch für die anderen Ausführer/Anmelder: Prüfen Sie mindestens monatlich, ob einer Ihrer ATLAS-Vorgänge den Status „Wiedervorlage“ trägt. Sollten Sie nicht innerhalb von 45 Tagen nach dem Status-Wechsel (Überlassen/Wiedervorlage) dem Zoll einen Alternativnachweis vorlegen können, wird die Ausfuhranmeldung von Amtswegen (zollseitig) storniert.

Wenn Sie die Ware dennoch exportiert haben, liegt ein Verstoß gegen das Außenwirtschaftsrecht vor. Beheben können Sie diesen Verstoß, indem Sie schnellstmöglich eine nachträgliche Ausfuhranmeldung abgeben.


Fazit

Die Ausfuhranmeldung ist durchaus ein komplexes Gebilde. Sie ist auch eine Art Steuererklärung und muss mit größter Sorgfalt von den Verantwortlichen ausgefüllt werden. Fundiertes Wissen, das ständig erweitert und aktualisiert werden muss, versteht sich hier von selbst. Fachlich am Ball zu bleiben ist für die Anwender Pflicht, dann passieren nicht solche Fehler der hier beschriebenen fiktiven Personen mit den realen Fällen aus der Praxis.


Dieser Artikel wurde uns bereitgestellt von Daniela Staudinger-Weis, Produktmanagerin ATLAS-Software und Sanktionslistenprüfung bei der Forum Verlag Herkert GmbH.

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